Das Deutsche Hauptquartier der EBMAS in Schwelm war in diesem Jahr erneut Schauplatz des jährlichen Hauptseminars für Deutschland. Dai Sifu Emin Boztepe leitete zwei intensive Trainingstage, zu denen Praktizierende aus dem gesamten EBMAS-Netzwerk anreisten – darunter diesmal auch zahlreiche Gäste aus anderen Wing Tsun- und Wing Chun-Organisationen.
Ankunft und Atmosphäre in Schwelm
Bereits vor Beginn des Seminartages füllte sich die Akademie in der Kaiserstraße 55 mit bekannten und neuen Gesichtern. Instruktoren und Schüler aus ganz Deutschland trafen ein, ebenso Vertreter anderer Wing-Chun-Linien, die der Einladung gefolgt waren.
Die Mischung aus langjährigen EBMAS-Mitgliedern und Gästen aus anderen Wing-Chun-Organisationen hat dem Wochenende seinen eigenen Charakter gegeben: sachlich, neugierig, mit dem Fokus auf dem Training. Wer seit Jahren in derselben Schule trainiert, entwickelt zwangsläufig blinde Flecken – bestimmte Bewegungsideen werden nicht mehr hinterfragt, weil sie einfach zum Alltag gehören. Genau dort helfen andere Perspektiven. Ein Gast, der dieselbe Technik aus einem anderen Lehrweg kennt, stellt andere Fragen und betont andere Details. Das zwingt dazu, die eigene Ausführung zu erklären – und manchmal erst dabei zu verstehen, warum man es so macht. Dass alle einen anderen Hintergrund mitbrachten, war kein Problem – sondern eigentlich genau der Punkt. Terminologie unterschied sich, manche Strukturen wirkten auf den ersten Blick verschieden, ließen sich beim näheren Hinsehen aber auf gemeinsame Prinzipien zurückführen. Man schaut hin, vergleicht, stellt Fragen. Nicht um festzustellen, wessen Variante „richtiger“ ist, sondern um zu verstehen, wie unterschiedliche Lehrlinien mit denselben Grundproblemen umgehen: Struktur unter Druck, Reaktion auf Kontakt, Ökonomie der Bewegung.
Inhalte des Seminars
Dai Sifu Emin Boztepe strukturierte das Seminar entlang zentraler Prinzipien des Wing Tzun der EBMAS. Einen Schwerpunkt bildeten Anwendungen der Biu Tze, der dritten leeren Hand-Form des Wing Tzun. Die Form gilt im System als fortgeschrittenes Material, da sie Bewegungen enthält, die von den Grundprinzipien der ersten beiden Formen – Siu Nim Tao und Chum Kiu – abweichen und eine andere Körpermechanik erfordern. Boztepe arbeitete zunächst die technische Grundlage heraus: Wie die charakteristischen Fingerstöße, Ellbogenaktionen und Richtungswechsel der Form biomechanisch funktionieren und unter welchen Bedingungen sie greifen. Im zweiten Schritt ging es um die Übergänge zur freien Anwendung – also darum, wie Techniken aus der Biu Tze im Chi Sao und in offeneren Situationen situativ eingesetzt werden, ohne zu einem fixen Schema zu erstarren.
Impressionen aus dem Seminar
Gäste aus anderen Wing-Chun-Linien
Auffällig in diesem Jahr: Auch Praktizierende aus anderen Wing-Tsun- und Wing-Chun-Linien waren dabei – ein willkommener Umstand.
Dai Sifu Boztepe nahm sich Zeit, direkt mit den Gästen zu arbeiten und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Ausführung offen anzusprechen. Dieser Teil des Seminars verlief in einer respektvollen Haltung auf beiden Seiten – ohne dass unterschiedliche Ansätze gegeneinander ausgespielt wurden.„Wir sprechen alle von Wing Chun – aber erst im Chi Sao zeigt sich, was gemeint ist.“ — Emin Boztepe, EBMAS Hauptseminar Schwelm 2026
Rahmenprogramm und Austausch
Abseits der Matte gab es in den Pausen und an den Abenden reichlich Gelegenheit, über Unterrichtsmethoden, Systemfragen und die Geschichte einzelner Linien zu reden. Solche Gespräche kommen im Schulalltag oft zu kurz, weil der verfügbare Unterricht für das praktische Training genutzt wird. Hier dagegen saßen Lehrer und Schüler aus verschiedenen Schulen zusammen und verglichen, wie sie etwa Chi-Sao-Einstiege strukturieren, welche Prioritäten sie bei der Vermittlung der Siu Nim Tao setzen oder wie unterschiedlich die Überlieferungen einzelner Formen innerhalb desselben Stammbaums verlaufen können. Dabei ging es nicht darum, eine Variante gegen eine andere auszuspielen, sondern darum, die eigenen Gewohnheiten durch einen anderen Blickwinkel schärfer zu sehen. Solche Gespräche legen selten sofort etwas fest – sie wirken eher verzögert, wenn man Wochen später im Training plötzlich eine Formulierung oder einen Vergleich wiederfindet, der etwas erklärt, das vorher unklar geblieben war.
Vertreter der EBMAS Kampfkunstakademie Schwelm übernahmen Organisation und Betreuung vor Ort.
Was bleibt
- Vertieftes Verständnis der Biu-Tze-Prinzipien durch direktes Feedback von Dai Sifu
- Neue Einblicke in die Prinzipien der EBMAS Linie
- Persönlicher Austausch mit Praktizierenden aus verschiedenen Wing-Chun-Linien
- Konkrete Themen, die in den kommenden Monaten ins reguläre Training einfließen
Das Hauptseminar 2026 hat einmal mehr gezeigt, dass Schwelm als Standort des Deutschen EBMAS-Hauptquartiers ein funktionierender Treffpunkt für ernsthaftes Wing-Tzun-Training ist. Wer die Inhalte des Seminars im regelmäßigen Unterricht weiterverarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen, das Training in der EBMAS Kampfkunstakademie Schwelm aufzunehmen. Informationen zu Trainingszeiten und einem unverbindlichen Probetraining findest du direkt auf dieser Website.