Wer zum ersten Mal Escrima-Training sieht, denkt: okay, die hauen sich mit Stöcken. Das ist nicht falsch – aber es ist ungefähr so vollständig wie „Schach ist ein Brettspiel“. Der Stock ist der Einstieg. Was dahinter steckt, ist ein System, das auf Prinzipien aufgebaut ist – und die gelten unabhängig davon, was du gerade in der Hand hältst.
Warum der Stock am Anfang steht
Im Latosa Escrima fängt fast alles mit dem Rattan-Stock an. Nicht weil der Stock das wichtigste Werkzeug ist, sondern weil er das ehrlichste ist. Ein Stock verlängert deinen Arm, macht Bewegungen sichtbar und gibt direktes Feedback: Deckung offen? Du spürst es sofort.
Außerdem ist der Stock vergleichsweise sicher im Training. Zwei Anfänger können damit üben, ohne dass jeder Fehler blutig endet. Das senkt die Hemmschwelle – und erlaubt es, Bewegungsabläufe wirklich einzuschleifen, nicht nur vorsichtig anzudeuten.
Rino Liparis Escrima-Lehrer Remy Presas sagte sinngemäß, dass wer mit dem Stock umgehen kann, auch ohne Stock nicht hilflos ist. Dieser Gedanke ist kein Verkaufsargument – er ist die eigentliche Logik des Systems.
Das Messer: andere Waffe, gleiche Struktur
Irgendwann kommt das Messer ins Spiel. Und hier passiert etwas Interessantes: Die Winkel, die Fußarbeit, das Timing – vieles davon kennst du schon vom Stock. Das Werkzeug wechselt, die Prinzipien bleiben.
Natürlich ändert eine Klinge einiges. Die Distanz wird kritischer. Bestimmte Paraden, die mit dem Stock funktionieren, sind mit einem Messer gefährlicher oder schlicht anders zu denken. Das System passt sich an – es wird nicht neu erfunden.
Im Latosa Escrima nach Rene Latosa wird das Messer nicht isoliert unterrichtet. Es kommt zu einem Zeitpunkt, an dem du schon ein Gefühl für Winkel und Energie hast. Das macht den Einstieg in die Klingenarbeit deutlich weniger abstrakt.
Leere Hände: kein anderes System, kein Anhang
Was passiert, wenn du nichts in der Hand hast? Im Escrima gibt es dafür eine klare Antwort: Du bewegst dich trotzdem wie mit dem Stock. Deine leere Hand schlägt in denselben Winkeln, deckt in denselben Linien, nutzt dieselbe Fußarbeit.
Das ist der Punkt, an dem viele überrascht sind. Escrima-Arbeit mit leeren Händen fühlt sich nicht an wie Box-Training oder Karate. Es hat diesen spezifischen Fluss, diese Linienstruktur, die eben aus der Waffenarbeit kommt. Wer den Weg über Stock und Messer gegangen ist, merkt das sofort.
Das Werkzeug wechselt. Das Prinzip nicht.
Grundgedanke im Latosa Escrima
Wie die Ebenen konkret zusammenhängen
Im Training wird das nicht als drei separate Kurse behandelt. Eher so: Du lernst eine Bewegung mit dem Stock – und irgendwann zeigt dir dein Trainer, was dieselbe Bewegung mit einem Messer bedeutet. Oder mit der leeren Hand. Das schärft das Verständnis, weil du siehst, was sich ändert und was konstant bleibt.
- Stock – Einstieg ins System, große Bewegungen, klares Feedback
- Messer – gleiche Winkel, engere Distanz, höhere Präzision nötig
- Leere Hände – Prinzipien ohne Werkzeug, direkt aus der Waffenstruktur abgeleitet
- Kombination – Wechsel zwischen bewaffnet und unbewaffnet innerhalb einer Situation
Besonders der letzte Punkt ist interessant: Was passiert, wenn du eine Waffe verlierst – oder dein Gegenüber eine zieht? Im Latosa Escrima wird auch das geübt. Nicht als Hollywood-Szenario, sondern als konsequente Weiterführung des Systems.
Was das für dein Training bedeutet
Du musst nicht alle Ebenen gleichzeitig lernen. Am Anfang steht der Stock – und der allein ist schon genug Material für eine lange Zeit. Aber es hilft, den größeren Zusammenhang zu kennen. Dann weißt du, warum du bestimmte Dinge übst, auch wenn es gerade noch abstrakt wirkt.
Dieses Prinzip-vor-Werkzeug-Denken ist übrigens auch das, was Escrima mit Wing Tzun verbindet – beide Systeme in der EBMAS suchen nach dem, was unter der Technik liegt. Kein Zufall, dass sie gut nebeneinander funktionieren.
In der EBMAS Kampfkunstakademie Schwelm unterrichten wir Latosa Escrima genau nach dieser Struktur – vom Stock über das Messer bis zu den leeren Händen, Schritt für Schritt und ohne Abkürzungen. Wenn du neugierig bist, wie sich das anfühlt, komm einfach zu einem Probetraining vorbei. Kaiserstraße 55, Schwelm. Kein Vorwissen nötig, kein Besteck mitbringen.