Escrima

Warum Escrima mit Waffe beginnt – und nicht ohne

martial artist gripping rattan stick in training hall

Erster Tag Escrima. Du kommst in die Halle, wartest darauf, dass dir jemand erklärt, wie man eine Faust macht oder wie man richtig steht – und dann hält dir dein Trainer einen Rattan-Stock hin. Einfach so. Kein „Erstmal die Grundstellung ohne alles.“ Kein „Wir bauen das langsam auf.“ Stock in die Hand, und los. Das irritiert viele am Anfang. Ist das nicht gefährlich? Sollte man nicht zuerst die leeren Hände lernen? Die kurze Antwort: Nein. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Escrima: Die Waffe ist kein Zusatz – sie ist der Ausgangspunkt

In vielen Kampfkünsten ist die Waffe etwas, das du dir verdienst. Erst Jahre Grundlagentraining, dann vielleicht ein Schwert oder einen Stock. Escrima dreht das komplett um. Hier ist die Waffe nicht das Ziel am Ende – sie ist der Ausgangspunkt des gesamten Systems.

Der Gedanke dahinter ist pragmatisch: Auf den Philippinen, wo Escrima seinen Ursprung hat, war eine Waffe – ein Stock, eine Machete, ein Messer – im Alltag präsent. Das System wurde nicht für den Sport entwickelt, sondern für eine Welt, in der Auseinandersetzungen oft mit Werkzeugen stattfanden. Also beginnt das Training dort, wo die Realität beginnt.

Das hat eine interessante Konsequenz: Die Bewegungsprinzipien, die du mit dem Stock lernst, übertragen sich direkt auf die leeren Hände. Winkel, Hebel, Timing, Distanz – alles entwickelt sich zuerst mit Werkzeug, dann ohne.

Was der Stock im Escrima-Training beibringt, was Hände nicht könnten

Stell dir vor, du lernst Schlagbewegungen zuerst mit bloßer Hand. Du hast irgendwie ein Gefühl dafür, ob es „ungefähr“ stimmt. Mit einem Stock in der Hand gibt es kein Ungefähr mehr. Du merkst sofort, wenn du einen schlechten Winkel hast – weil die Bewegung dann einfach nicht funktioniert. Der Stock macht Fehler sichtbar, die die Hand versteckt.

Dazu kommt die Reichweite. Ein Rattan-Stock verlängert deinen Arm um gut 60 bis 70 Zentimeter. Du lernst von Anfang an, mit Distanz zu arbeiten – nicht nur mit dem, was dein Körper allein kann. Das schult ein räumliches Bewusstsein, das später, wenn du ohne Waffe trainierst, nicht mehr neu aufgebaut werden muss. Es ist schon da.

Latosa Escrima: Prinzipien vor Techniken

Im Latosa Escrima, wie wir es in Schwelm unterrichten, steht ein Gedanke über allem: Du lernst keine Technik-Bibliothek auswendig. Du verstehst Prinzipien – und wendest sie an. Remy Presas, einer der Begründer des modernen Arnis, und später Rene Latosa haben das System konsequent darauf ausgerichtet.

Das bedeutet: Wenn du eine Schlagbewegung mit dem Stock verstehst – ihre Mechanik, ihren Winkel, ihre Energie – dann kannst du dieselbe Bewegung mit einer leeren Hand ausführen, mit einem Messer, mit einem kurzen Stock oder mit dem Ellenbogen. Das Prinzip bleibt. Das Werkzeug wechselt.

Das Werkzeug ist egal. Die Frage ist: Verstehst du, was die Bewegung macht?

Grundgedanke im Latosa Escrima

Was das für deinen Lernprozess im Escrima bedeutet

Praktisch heißt das: Du wirst im Training keine langen Phasen haben, in denen du wartest, bis „das Wichtige“ anfängt. Von der ersten Stunde an arbeitest du mit echten Inhalten. Der Einstieg über den Stock ist nicht die Vorstufe zum richtigen Training – er ist das Training.

Das hat auch einen psychologischen Effekt. Wer früh mit einer Waffe arbeitet, entwickelt frühzeitig ein Bewusstsein dafür, wie gefährlich ein einfaches Stück Holz in falschen Händen sein kann – und wie viel Kontrolle und Verantwortung dazugehören. Das gehört zum System genauso wie die Technik.

  • Sofortiges Feedback: Der Stock zeigt dir direkt, wenn ein Winkel oder eine Bewegung nicht stimmt.
  • Reichweite und Distanz: Du lernst von Anfang an, Raum zu lesen und zu kontrollieren.
  • Übertragbare Prinzipien: Was du mit der Waffe lernst, funktioniert später auch ohne.
  • Bewusstsein für Kontext: Du verstehst früh, womit du es zu tun hast – sachlich und ohne Romantisierung.

Und die leeren Hände?

Die kommen. Aber sie kommen dann aus einem System, das du schon verstehst. Viele Schüler berichten, dass ihnen das Arbeiten ohne Waffe deutlich leichter fällt, als sie erwartet hätten – weil die Grundlagen durch den Stock schon sitzen. Kein Neubeginn, sondern eine Erweiterung.

Außerdem trainieren wir auch den Umgang mit zwei Stöcken, mit dem Messer und die Verteidigung gegen bewaffnete Angriffe. Das alles baut aufeinander auf – weil das System eben so gedacht ist. Jede neue Waffe ist kein Neustart, sondern eine andere Anwendung desselben Denkens.


Wenn du Escrima ausprobieren willst, kannst du einfach vorbeikommen. Bei der EBMAS Kampfkunstakademie Schwelm auf der Kaiserstraße 55 unterrichten wir Latosa Escrima für Erwachsene – Vorkenntnisse brauchst du keine. Den ersten Stock hältst du schon in der ersten Stunde in der Hand. Versprochen.