Wer nach philippinischer Kampfkunst sucht, stolpert innerhalb von fünf Minuten über drei Begriffe: Escrima, Kali, Arnis. Manchmal noch Eskrima mit k. Die naheliegende Vermutung - das werden schon drei verschiedene Stile sein - ist die falsche.
Die kurze Antwort
Es ist dieselbe Familie. Alle drei sind klingenbasierte Systeme, alle drei trainieren Stock, Messer und die waffenlose Anwendung, und inhaltlich überlappen sie stark. Der Unterschied liegt vor allem in der Herkunft des Wortes und in der Region, in der es benutzt wird.
Escrima - der spanische Weg ins Wort
Escrima, auch Eskrima geschrieben, stammt vom spanischen esgrima, also Fechten. Das verrät einiges über die Geschichte des Archipels: Über 300 Jahre spanische Kolonialzeit haben nicht nur die Sprache geprägt, sondern auch die Begriffe, mit denen die einheimischen Kampfkünste beschrieben wurden.
Verbreitet ist der Begriff vor allem im Visayas-Raum, den mittleren Inseln der Philippinen. Wer heute in Europa Escrima trainiert, trainiert in der Regel ein System, das über diese Linie kam.
Kali - der Süden
Kali wird vor allem im Süden der Philippinen verwendet. Über die Herkunft des Wortes gibt es mehrere Erklärungen und keine, auf die sich alle einigen. Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff heute oft der Sammelbegriff für alles Philippinische geworden, was historisch nicht ganz sauber ist, sich aber eingebürgert hat.
Arnis - der offizielle Name
Arnis ist der offizielle Begriff auf den Philippinen und dort Nationalsport. Wer im Land selbst nach der Kampfkunst fragt, bekommt am ehesten dieses Wort zu hören. In der Wettkampfform wird Arnis mit Schutzausrüstung und Regelwerk betrieben - das ist ein Zweig, der sich von der reinen Selbstverteidigungsanwendung deutlich unterscheidet.
Wo der Unterschied tatsächlich liegt
Nicht zwischen den drei Namen, sondern zwischen den einzelnen Systemen und ihren Lehrern. Zwei Escrima-Schulen können weiter auseinanderliegen als eine Escrima- und eine Arnis-Schule. Was eine Schule prägt, ist ihre Linie, nicht ihr Etikett.
Die praktisch nützliche Frage lautet deshalb nicht „Escrima oder Kali?", sondern: Wird hier von Anfang an mit der Waffe gearbeitet? Werden Konzepte unterrichtet oder Abläufe auswendig gelernt? Kann jemand erklären, warum eine Bewegung funktioniert?
Was allen dreien gemeinsam ist
- Die Klinge steht im Zentrum. Der Stock ist das sichere Trainingswerkzeug, das die Bewegungen der Klinge abbildet.
- Der Einstieg läuft über die Waffe, nicht über Hand und Fuß - anders als in fast allen anderen Kampfkünsten.
- Die leere Hand kommt aus derselben Bewegung. Wer den Stock verstanden hat, hat die Handarbeit halb mitgelernt.
Und Latosa Escrima?
Großmeister Rene Latosa hat sein System auf Basis der philippinischen Kampftraditionen seiner Familie und seiner Lehrer entwickelt - unter anderem Angel Cabales, Maximo Sarmiento und Leo Giron. Es ist konzeptbasiert: Techniken sind Werkzeuge, um die dahinterliegenden Konzepte zu verstehen, nicht Selbstzweck.
Welche sechs Konzepte das sind, steht in Die sechs Konzepte hinter der Technik. Wer lieber bei der Geschichte einsteigt: Die Geschichte des Escrima.
In Schwelm unterrichten wir Latosa Escrima - mit Stock von der ersten Stunde an. Wer erst schauen will, ob ihm die Waffenarbeit überhaupt liegt, kommt einfach vorbei.