Latosa Escrima

Welchen Stock brauche ich für Escrima? Material, Länge

Ein Rattanstock neben einer offenen leeren Hand

Die Frage kommt meistens nach der zweiten oder dritten Stunde, und sie kommt fast immer zu früh. Trotzdem hier die vollständige Antwort, damit niemand im Netz zwei Stunden lang widersprüchliche Foreneinträge lesen muss.

Die wichtigste Antwort zuerst: warte noch

Kaufen Sie am Anfang keinen Stock. Fragen Sie in Ihrer Schule, ob für die ersten Stunden welche zur Verfügung stehen - in den meisten Escrima-Gruppen ist das so. Nach vier oder fünf Einheiten wissen Sie deutlich besser, was Ihnen in der Hand liegt, und Sie haben in der Zwischenzeit gesehen, womit die anderen arbeiten.

Wer sofort kauft, kauft in der Regel zweimal.

Material: Rattan ist der Standard

Für das normale Training ist Rattan das Material der Wahl, und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Es splittert nicht scharf, sondern fasert weich auf. Ein Rattanstock, der sein Leben hinter sich hat, sieht aus wie ein Pinsel - und genau das ist erwünscht, weil er niemanden aufschneidet.

Hartholz - Kamagong, Bahi, Eiche - ist schwerer, härter und für Partnerübungen mit Kontakt ungeeignet. Es hat seinen Platz bei Formen und beim Solotraining, wo nichts aufeinandertrifft. Wer damit ins Partnertraining geht, riskiert gebrochene Finger, und zwar bei sich selbst genauso wie beim Gegenüber.

Kunststoff- und Schaumstoffstöcke gibt es ebenfalls. Sie sind sinnvoll für Kinder und für Übungen mit vollem Kontakt zum Körper, ersetzen aber nicht das Gefühl für Gewicht und Balance, um das es beim Lernen geht.

Länge: eine Faustregel, kein Gesetz

Übliche Trainingsstöcke liegen etwa zwischen 65 und 75 Zentimetern. Die verbreitete Faustregel zum Ausprobieren: Der Stock reicht ungefähr von der Achselhöhle bis in die geöffnete Handfläche des ausgestreckten Arms.

Etwas kürzer bedeutet schneller und wendiger, etwas länger bedeutet mehr Reichweite und mehr Trägheit. Wichtiger als der exakte Zentimeter ist, dass alle Stöcke, mit denen Sie regelmäßig arbeiten, ungefähr gleich lang sind - sonst stellt sich das Distanzgefühl bei jedem Wechsel neu ein.

Durchmesser und Gewicht

Gängig sind rund 2,5 bis 3 Zentimeter Durchmesser. Dünner ist schneller, hält aber weniger aus. Dicker hält länger, ermüdet die Hand aber schneller und verzeiht eine schlechte Griffhaltung nicht.

Für den Anfang gilt: eher leichter. Ein schwerer Stock verführt dazu, mit dem Arm zu arbeiten statt aus der Struktur - und damit trainiert man genau das ein, was man später mühsam wieder abbauen muss.

Woran man schlechte Ware erkennt

  • Tiefe Längsrisse im Rattan - der Stock bricht früher, als man denkt.
  • Sehr glatte, lackierte Oberflächen - sie rutschen aus der Hand, sobald sie feucht wird.
  • Deutlich unterschiedliche Gewichte in einem Paar - das ruiniert das Gefühl für beidhändige Arbeit.
  • Verkohlte Muster als reine Optik - schön anzusehen, für die Haltbarkeit ohne Bedeutung.

Pflege: erstaunlich wenig nötig

Rattan mag trocken und nicht zu warm. Nicht im Auto liegen lassen, nicht auf der Heizung lagern. Wenn die Fasern anfangen aufzugehen, kann man sie abschneiden - irgendwann ist der Stock aber schlicht verbraucht, und dann gehört er ersetzt. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass man zu grob war.

Und die Klinge?

Im Escrima steht die Klinge im Zentrum, der Stock ist ihr sicheres Trainingswerkzeug. Für Messerarbeit im Training gibt es stumpfe Trainer aus Aluminium oder Kunststoff. Scharfes gehört nicht ins Partnertraining, unabhängig vom Können.

Warum die Waffe überhaupt am Anfang steht, steht in Warum Escrima mit Waffe beginnt.


Im Latosa Escrima in Schwelm klären wir diese Frage am einfachsten direkt an der Hand - probieren geht schneller als nachlesen.